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Speech Level Singing — die Gesangstechnik der Grammy-Gewinner

Über 140 Grammy-Gewinner haben mit Seth Riggs gearbeitet — alle nach derselben Methode. Was Speech Level Singing macht, warum es funktioniert, und warum die Technik in Deutschland kaum verbreitet ist.

Mischa Züwerink 30. Mai 2026 5 Min. Lesezeit
Speech Level Singing — die Gesangstechnik der Grammy-Gewinner

Bildmotiv teilweise mit künstlicher Intelligenz bearbeitet bzw. erstellt.

Über 140 Grammy-Gewinner haben mit ihm gearbeitet. Stevie Wonder. Michael Jackson. Ray Charles. Natalie Cole. Aaron Neville. Die Liste der größten Stimmen der letzten 60 Jahre liest sich wie eine Top-100-Plattenfirma.

Sie alle hatten denselben Vocal Coach: Seth Riggs.

Und sie alle lernten dieselbe Methode: Speech Level Singing.

In Deutschland kennt sie kaum jemand. Die meisten Gesangslehrer:innen arbeiten weiter mit Methoden aus den 1970ern — Stütze, Brustresonanz, Maske, „Töne in den Kopf werfen". Begriffe, die seit Jahrzehnten weitergegeben werden, ohne dass jemand wirklich erklären kann, was im Körper passiert.

Speech Level Singing ist anders. Es ist die einzige Gesangstechnik, die ich kenne, die Singen nicht mit Metaphern beschreibt, sondern mit Physiologie. Du verstehst nicht nur, wie es klingen soll. Du verstehst, was deine Stimmlippen tatsächlich tun — und was du anstellen musst, damit sie es richtig machen.

In diesem Artikel: warum die Methode funktioniert, warum sie in Deutschland trotzdem unterbelichtet ist, und wie du sie selbst kennenlernen kannst.

Was Speech Level Singing eigentlich heißt

Der Name verrät die Idee. „Speech level" bedeutet: der Kehlkopf bleibt beim Singen in derselben entspannten, stabilen Position wie beim Sprechen.

Klingt banal. Ist es aber nicht.

Beim Sprechen läuft in deinem Hals eine sehr feine Choreographie ab: die Stimmlippen schließen sich präzise, der Luftstrom dosiert sich automatisch, der Kehlkopf hält sich auf einer mittleren, neutralen Höhe. Du tust nichts bewusst — und genau deshalb funktioniert es so leicht.

Beim Singen läuft dieses System bei den meisten Menschen aus dem Ruder. Sobald die Melodie hochgeht, schiebt sich der Kehlkopf nach oben. Sobald sie tiefer wird, drückt er sich nach unten. Atemdruck steigt. Muskeln, die mit Singen nichts zu tun haben, mischen sich ein. Was beim Sprechen mühelos läuft, wird zur Kraftanstrengung.

Speech Level Singing macht aus dem komplizierten Singen wieder das einfache Sprechen — nur eben mit Melodie.

Der Kehlkopf — und warum er der heimliche Star ist

Wenn dir jemand sagt „atme tiefer", „stütze mehr", „öffne die Maske" — vergiss es. Das sind nicht die Hebel.

Der eigentliche Hebel beim Singen sitzt in deinem Kehlkopf. Genauer: in dem winzigen Muskelpaar darin, das deine Stimmlippen steuert. Wenn diese Muskeln sauber arbeiten, kannst du hohe Töne, tiefe Töne, laute, leise, weiche, kraftvolle. Alles ohne Anstrengung.

Was die meisten Sänger:innen die ganze Zeit machen: sie versuchen mit Muskeln zu singen, die mit der Stimme gar nichts zu tun haben. Brust drücken. Zwerchfell pumpen. Kiefer aufreißen. Hals anspannen. Diese ganze körperliche Geschäftigkeit produziert nichts außer Ermüdung.

Speech Level Singing dreht das um. Die „großen" Muskeln werden ruhiggestellt. Die richtige Arbeit übernehmen die winzigen Muskeln im Kehlkopf — präzise, effizient, ohne Druck.

Ich erinnere mich an einen Profi-Musical-Sänger, der nach 15 Jahren Bühnenerfahrung zu mir kam. Er war heiser, kraftlos, frustriert. Er glaubte, er müsste härter arbeiten. Wir haben in der ersten Stunde nichts gemacht außer den Kehlkopf wieder zu finden. Nach zwanzig Minuten sang er Stellen, die er seit zwei Jahren nicht mehr getroffen hatte. Sein Kommentar: „Das war so leicht. Ich dachte, dafür gibt's keine Lösung mehr."

<!-- MISCHA-ANEKDOTEN-SPOT — ergänze hier gerne eine echte Geschichte aus deiner Praxis, in der ein:e Teilnehmer:in das erste Mal gespürt hat, was passiert, wenn der Kehlkopf wieder im Sprech-Level sitzt. Der Musical-Sänger oben ist Platzhalter, kann ausgetauscht werden. -->

Warum die Methode in Deutschland unterbelichtet ist

Speech Level Singing ist in den USA seit den 70ern Standard. In Deutschland ist sie es bis heute nicht. Warum?

Zwei Gründe.

Erstens: Wer eine etablierte Methode beherrscht und damit Geld verdient, hat wenig Interesse daran, sich eine neue beizubringen. Das gilt für Gesangslehrer:innen wie für jeden anderen Beruf. Wer 30 Jahre lang „Stütze, Stütze, Stütze" gelehrt hat, wird nicht plötzlich umsteigen.

Zweitens: Speech Level Singing ist schwer zu lernen, wenn man es ausschließlich aus Büchern lernen will. Es braucht jemanden, der es dir am Klavier vormacht, dich hört und korrigiert. Das ist Coaching, kein Studium. In Deutschland wird Gesang an Hochschulen aber primär akademisch unterrichtet — viel Theorie, viel Stilkunde, wenig direkte Körperarbeit.

Das Ergebnis: Es gibt im deutschsprachigen Raum nur eine Handvoll Coaches, die wirklich nach SLS arbeiten. Ich bin einer davon. Ausgebildet wurde ich in den 90er-Jahren direkt im Studio von Seth Riggs in Los Angeles, dazu in New York und Las Vegas.

Was bei SLS in deinem Körper passiert

Konkret:

Der Kehlkopf bleibt im Sprech-Level — weder hochgeschoben noch heruntergedrückt. Die Stimmlippen schließen sauber, ohne dass du sie „fest" machen musst. Der Atemdruck reduziert sich auf das Minimum, das die Stimmlippen brauchen. Die Resonanzräume im Mundraum und Rachen öffnen sich natürlich, ohne dass du irgendwo „Platz machen" musst.

Das Ergebnis hörst du sofort: deine Stimme klingt voller, dabei mit weniger Kraft. Hohe Töne fühlen sich leichter an als tiefe. Du kannst stundenlang singen, ohne heiser zu werden.

Das ist nicht Magie. Das ist Physik. Wenn die Stimmlippen das tun, wofür sie gemacht sind — und alle anderen Muskeln aus dem Weg gehen — funktioniert Singen wie Atmen. Automatisch.

Die wichtigsten Prinzipien — kurz erklärt

Stilübergreifend. SLS ist keine Stilfrage. Die Methode funktioniert für Pop, Rock, Musical, Soul, Jazz, Schlager, Klassik. Was sich ändert, ist der Stil — die Technik darunter bleibt dieselbe.

Levelunabhängig. Anfänger:innen lernen SLS genauso wie Profis. Was sich unterscheidet, ist die Lerngeschwindigkeit, nicht der Inhalt.

Hörfokussiert. Du lernst, deiner Stimme zuzuhören, statt sie zu kontrollieren. Das ist für viele die größte Umstellung — und die wichtigste.

Korrektur statt Kontrolle. Wenn ein Ton nicht funktioniert, ist die Antwort nie „mehr Anstrengung". Sondern: was steht im Weg? SLS arbeitet immer mit dem Weniger.

Wie du SLS selbst erleben kannst

Lesen über Speech Level Singing bringt fast nichts. Die Methode ist körperlich — du musst sie machen, in dem Moment, in dem dich jemand anhört und die richtige Korrektur gibt.

Genau dafür sind die Vocalpower-Workshops gemacht. Zwei Tage Wochenende oder fünf Tage Intensiv in Roermond, in kleiner Gruppe, mit direktem Einzelcoaching. Du lernst nicht in Worten, was Speech Level Singing ist. Du erlebst es an deiner eigenen Stimme — meistens in den ersten zwanzig Minuten.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein Workshop zu dir passt, bietet die Stimmklarheit-Session einen niedrigschwelligen Einstieg: ein kurzes 1:1-Gespräch, in dem du deine Fragen stellst und eine ehrliche Einschätzung bekommst.

Zusammengefasst

Speech Level Singing ist keine Gesangstechnik unter vielen. Es ist die einzige, die ich kenne, die Singen so beschreibt, wie es im Körper tatsächlich passiert — und nicht in Metaphern, die nach hundert Jahren immer noch niemand wirklich erklären kann.

Sie ist nicht neu. Sie ist nur in Deutschland kaum verbreitet. Wer sie einmal erlebt hat, will nichts anderes mehr.

Wenn du das nächste Mal hörst „stütze mehr" oder „den Ton mehr in die Maske" — frag nach. Frag, was im Kehlkopf passieren soll. Wenn die Antwort vage wird, weißt du, dass du den falschen Coach hast.

Und wenn du wissen willst, wie es richtig geht: meine Tür steht offen.